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Die Stasi - Eine Einführung für Schüler

Ein kurzer Text für ein geplantes Web-Angebot des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, verfasst im März 2012.

Über 20 Jahre nach dem Untergang der DDR begegnet man noch häufig der „Stasi“. Immer wieder wird darüber diskutiert, dass bestimmte Politiker, Richter, Sportler oder Künstler doch früher bei der „Stasi“ waren und ihnen deshalb nicht zu trauen sei. Wenn Websites und E-Mails stärker von der Polizei kontrolliert werden sollen oder Google und Facebook Daten über ihre Nutzer sammeln, ist schnell von „Stasi-Methoden“ die Rede. Was ist das, die „Stasi“?

Stasi ist die Kurzform für Staatssicherheit und meint den Geheimdienst und die Geheimpolizei der DDR, die im „Ministerium für Staatssicherheit“ organisiert waren. Das Ministerium für Staatssicherheit wurde 1950 gegründet und bestand bis 1990. Die SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) machte während ihrer Ein-Parteien-Herrschaft die DDR zu dem Land, das mit dem weltweit dichtesten Netz von Agenten überzogen war. Während zum Beispiel in Polen ein Geheimdienstmitarbeiter auf 1574 Menschen oder in der Sowjetunion auf 595 kam, hatte die DDR rechnerisch für 180 Bürger einen Beschäftigten bei der Stasi.

Die Stasi verstand sich als Elite ihres Landes, als „Schwert und Schild der Partei“, als „Ritter der Revolution“. Ihre Aufgabe war es, jede noch so kleine Gefahr für die Parteidiktatur aufzuspüren und zu eliminieren. Sie durchdrang in der DDR alle Lebensbereiche.

Die Stasi versuchte, jede oppositionelle Regung so früh wie möglich zu erfassen. Sie las massenweise private Post ihrer Bürger und hatte spezielle Apparate entwickelt, um Briefe unbemerkt zu öffnen, zu fotografieren und wieder zu schließen. Sie hörte so viele Telefone ab, dass DDR-Bürger viele Dinge grundsätzlich nicht am Telefon besprachen. Schon für einen Witz über Politiker konnte man Probleme bekommen, auch wenn man die falsche Frisur trug, die falsche Musik hörte oder die falschen Zeitschriften las.

Die Stasi wachte auch darüber, dass niemand auf den Gedanken kam, das Land Richtung Westen zu verlassen. Wenn er es doch versuchte, musste er mit Erschießung bei der Flucht oder mit jahrelanger Inhaftierung unter unmenschlichen Bedingungen rechnen.

Neben den hauptberuflichen Mitarbeitern arbeiteten 1989 fast 190.00 Inoffizielle Mitarbeiter (IMs) für die Stasi, die verdeckt neben ihren eigentlichen Berufen Freunde, Arbeitskollegen und Mitschüler oder selbst ihre Familie bespitzelten. Sie teilten der Geheimpolizei mit, was diese über den Staat dachten und sagten. Die Stasi zerstörte ohne Skrupel das Privat- oder Berufsleben der Menschen, die sie als Gegner sah: Sie schürte Streitigkeiten in Freundschaften und Beziehungen, machte Berufspläne unmöglich, trennte Kinder von ihren Eltern und sperrte Menschen unter fadenscheinigen Gründen jahrelang ins Gefängnis. Sie überwachte nicht nur die Bevölkerung, sondern auch Funktionsträger in allen Bereichen der Gesellschaft, die Politiker und die Polizei, das Militär, die Wirtschaft, die Kirche, die Kultur oder den Sport. Auch im Ausland spionierte die Stasi als Geheimdienst, vor allem in der Bundesrepublik.

Das Ansehen der Stasi war in großen Teilen der DDR-Bevölkerung schlecht. Man hoffte, Stasi-Mitarbeiter doch schnell erkennen zu können, und trennte private und öffentliche Aussagen voneinander. Bloß nicht auffallen, hieß die Devise vieler.

Nach dem Fall der Mauer besetzten Bürger in der ganzen DDR die Büros der Stasi und kämpften erfolgreich dafür, dass sie in den Akten lesen konnten, die die Stasi über sie angelegt hatte. Als das Ausmaß deutlich wurde, in dem die Stasi ihr Leben erforscht und durchdrungen hatte, waren viele schockiert: Sie fanden erst jetzt heraus, wer sie jahrelang verraten hatte und verantwortlich war für einschneidende Veränderungen ihres Lebens. Es gibt noch viele Opfer der Stasi, die bis heute psychisch oder körperlich unter der Verfolgung leiden. Für sie sind die 20 Jahre, die die DDR vergangen ist, keine lange Zeit. Die Stasi wird also weiter in der Diskussion bleiben - die Aufarbeitung ist noch lange nicht vorbei.


Jan Jansen im World Wide Web






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