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Zwangsarbeiterinnen auf dem Feld Blog / Ausstellungen
NS-Zwangsarbeit in Sulzbach-Rosenberg

Nach Maxhütte-Haidhof und Schwandorf wird Sulzbach-Rosenberg im Mai 2012 die dritte Stadt, in der die Ausstellung der Projektgruppe Zwangsarbeit e. V. gezeigt wird. Viele Forschungsergebnisse unseres Vereins zur regionalen NS-Vergangenheit und zum Zwangsarbeitereinsatz vor Ort werden in der erneut überarbeiteten und erweiterten Ausstellung erstmals vorgestellt. Wieder findet ein vorbereitendes internationales Schülerprojekt statt, das bereits begonnen hat.

Auch in Sulzbach-Rosenberg wird der verstorbene Großindustrielle Friedrich Flick als ehemals wichtiger Arbeitgeber besonders geehrt: Waren an den vorherigen Stationen der Ausstellung Straßen nach ihm benannt, so gibt es hier ein Friedrich-Flick-Fußballstadion. Flick ist wohl der umstrittenste Unternehmer der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Sein Name steht nicht nur für einen kometenhaften Aufstieg und den größten Parteispendenskandal der Bundesrepublik. Flick steht auch für frühe Kumpanei mit den Nationalsozialisten, für Riesenprofite aus der Rüstungsindustrie und den Enteignungen jüdischer Konkurrenten - und für den massenhaften Einsatz von Zwangsarbeitern, verbunden mit der standhaften Weigerung, die Opfer später zu entschädigen. In Berlin führte die geplante Kunstausstellung eines Flick-Erben deshalb zu monatelangen Kontroversen, in Flicks Heimatstadt Kreuztal wurde das Friedrich-Flick-Gymnasium 2008 nach jahrzehntelangen Diskussionen schließlich umbenannt. In der bayrischen Oberpfalz hingegen finden sich die letzten „gallischen Dörfer“, die an der Ehrung des Industriellen nach wie vor festhalten.

Der romantischen Verklärung Friedrich Flicks als väterlichen Firmenpatriarchen will die Projektgruppe Zwangsarbeit mit Aufklärungsarbeit über die Schicksale seiner Zwangsarbeiter entgegentreten. Sie erweitert dabei jedoch die Perspektive und widmet sich nicht nur dem Einsatz von Zwangsarbeitern in Flicks „Maxhütte“, sondern auch in den Bauernhöfen, Handwerksbetrieben und Gaststätten nebenan. Die Ausstellungen machen so abstrakte historische Forschungen konkret fassbar: Sie erzählen die Geschichten von Opfern, Tätern und Tatorten im direkten Lebensumfeld der Ausstellungsbesucher. Archive in Deutschland und europäischen Nachbarländern wurden hierzu ebenso systematisch durchforstet wie zahlreiche Privatbestände. Viele Fotos und Dokumente werden erstmalig der Öffentlichkeit präsentiert.

Zur Vorbereitung der Ausstellung laufen seit dem Beginn des Schuljahres Projekte an Schulen in Sulzbach-Rosenberg und im tschechischen Holysov. Zur Eröffnung der Ausstellung ist ein Freundschaftsspiel von Fußballmannschaften beider Schulen im Friedrich-Flick-Stadion geplant. Die Schülergruppen werden sich darüber hinaus in einem gemeinsamen Besuchsprogramm über ihre Arbeit der letzten Monate austauschen.

In Weißrussland wurden ehemalige Zwangsarbeiter ausfindig gemacht, die während des Kriegs nach Sulzbach-Rosenberg verschleppt wurden und in Werken von Friedrich Flick arbeiten mussten. Die Projektgruppe Zwangsarbeit hat Videointerviews mit ihnen an ihren Wohnorten geführt, die in der Ausstellung gezeigt werden. In Polen und Tschechien konnten über Partnerstiftungen weitere ehemalige Zwangsarbeiter kontaktiert werden. Einige der Zeitzeugen werden bei der Ausstellungseröffnung im nächsten Jahr dabei sein.

Seit Oktober 2010 ist Prof. Dr. Mark Spoerer neues Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Projektgruppe Zwangsarbeit. Der Verfasser eines Standardwerks zur NS-Zwangsarbeit („Zwangsarbeit unter dem Hakenkreuz“) ist neuer Lehrstuhlinhaber am Institut für Geschichte der Universität Regensburg. Wir freuen uns, mit ihm neben Dr. Jens-Christian Wagner, Dr. Johannes Bähr und Dr. Kim-Christian Priemel einen weiteren ausgewiesenen Experten als Berater gewonnen zu haben.

Weitere Informationen zur Ausstellung werden auf der Website der Projektgruppe folgen.

Jan Jansen im World Wide Web






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