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„Was sagt die Community?“


Jeder Artikel, der auf Tagesspiegel.de online gestellt wird, kann von den Lesern kommentiert werden. Eine Möglichkeit, die rege genutzt wird: Über 100.000 registrierte Mitglieder hat die Community, über 1000 Kommentare laufen jeden Tag ein. Die Community Redaktion hat die Diskussionen im Blick, achtet auf die Einhaltung der Richtlinien, bearbeitet Fragen und Hinweise und leitet das Feedback der Leser an die Reporter weiter. Ein halbes Jahr lang war das auch mein Job.

Morgens um halb 10 beim Tagesspiegel am Askanischen Platz: Redaktionssitzung des Berlin-Ressorts. Zuerst berichtet der diensthabende Community Moderator. Welche Themen wurden von den Lesern in den letzten 24 Stunden besonders häufig kommentiert? Wie wurden die Artikel aufgenommen, was wurde gelobt, was kritisiert? Gab es inhaltlichen Input oder Anregungen für weitere Recherchen?

„Bei den Artikeln über Wowereit und seinen steuerhinterziehenden Staatssekretär forderten viele User den Rücktritt von Wowereit - ein paar User wurden richtig ausfallend, ich habe einige Kommentare nicht freigeben können. Manches ist der Community scheinbar noch nicht ganz klar: Was kann man Schmitz und Wowereit rechtlich genau vorhalten, wo haben sie politische Fehler gemacht? Vielleicht sollten wir die Gemengelage noch mal aufdröseln. Der User „allesodernix“ meinte, dass auch die CDU viel früher über die Vergehen informiert wurde, schon 2012. Sind wir da dran? Dem sollten wir nachgehen, finde ich.“

Die Leser kommentieren in der Community unter selbst gewählten Pseudonymen: Da tummeln sich Leute wie „bescheidwisser", „schindluder", „lilalo" oder „berlinhimmlisch". Sie diskutieren die Situation in der Ukraine und im Nahen Osten, die jüngste Rede des Bundespräsidenten, den Umgang mit Flüchtlingen in Berlin oder den Verkehrsunfall gestern in Steglitz. Dutzende Heavy User sind täglich hier aktiv. Man kennt sich untereinander, weiß um politische Positionen und Schreibstil der anderen. Laufen Diskussionen aus dem Ruder, verzetteln sich User in persönlichen Kleinkriegen, ist es Aufgabe des Moderators, einzugreifen und auf einen sachlichen Austausch zu drängen. Beleidigende, verleumderische oder rassistische Kommentare werden nicht frei geschaltet. Fallen Community-Mitglieder durch wiederholte Regelverletzungen auf, werden sie zunächst verwarnt. Zeigen sie sich uneinsichtig und missachten weiter die Richtlinen, wird ihr Profil gesperrt. Das darf nicht vorschnell geschehen, die Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut: Sperrungen müssen sich klar begründen lassen. Manche Gemaßregelte beschweren sich telefonisch, drohen weitere Schritte an oder echauffieren sich in Blogs. Oder sie melden sich unter einem neuen Pseudonym gleich wieder an - was den Spürsinn der Moderatoren auf die Probe stellt.

Nicht nur die Diskussionen auf der Website, sondern auch die auf der Facebook-Seite des Tagesspiegels werden von der Community Redaktion im Blick behalten. Im Vergleich sind die Diskussionen auf der Website merklich anspruchsvoller: Viele kennen sich gut aus mit den Themen, die sie kommentieren, schreiben lange, differenzierte Texte und verlinken Quellen. Trolle und Pöbeleien finden sich allerdings hier wie dort. Wenn die zu sehr nerven, bieten die Umfragen und Quizze auf Tagesspiegel.de Abwechslung: Auch sie werden vom Team der Community Redaktion erdacht und umgesetzt.

Der Zeitraum von Oktober 2013 bis Februar 2014 war zwar nur relativ kurz, aber es war eine spannende Zeit mit netten und kompetenten Kollegen. Wie das Berliner Stadtleben im Web kommentiert wird, beschäftigt mich bei der Abendschau weiterhin.


Jan Jansen im World Wide Web






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